Mai 2022 - Waldrand im Klimawandel

Ja, jetzt ist es schon Gewohnheit geworden, dauernd einen Blick auf mögliche Extremwetter-Ereignisse zu haben. Dazu gehören nicht nur Schwergewitter, wie jetzt im Mai, sondern vor allem Regenmangel (auch jetzt im Mai), Novembertemperaturen, welche die Bäume ausschlagen lassen oder plötzlicher Frost, wenn das Obst viel früher als "normal" blüht. 

Wir versuchen, so viel wie möglich auszugleichen. Neugepflanzte Bäume gießen wir in den Dürrewochen des ersten und zweiten Jahres. Die kleinen, blühenden Obstbäume, wie zum Beispiel die frostempfindliche Quitte, decken wir bei angesagten Spätfrösten ab. Dieses Frühjahr habe ich sogar Literweise Regenwasser in die Blänke geschüttet, weil darin viele Kaulquappen vom Grasfrosch schwimmen und es langsam eng wurde, in dem immer weniger werdenden Wasser.

Unser Waldrand ist nach wie vor ein Paradies, ein Refugium, eine ökologische Insel. Wir beginnen zu verstehen, wer Tom Bombadil ist.

Die Erfolge mehren sich

Trotz der schwierigen Wetterlagen können wir mit Freude beobachten, dass unsere Entscheidungen und Mühen der letzten Jahre Erfolg zeigen.

Sehr viele Wildvögel leben in unserem Waldrand und es sind auch Arten dabei, die wir hier bisher noch nicht gesehen, oder vielmehr: gehört haben. Eine Nachtigall singt seit Wochen Tag und Nacht und auch ein Kuckuck hat sich eingestellt. Das ist sehr erfreulich, zeigt es doch, dass hier offenbar gute Nist- und Futterplätze sind.

Was uns etwas traurig stimmt: Sowohl Nachtigall als auch Kuckuck sind einsam. Kein Weibchen, kein Reviernachbar antwortet auf den Gesang oder den Ruf. Aber wenigstens ist ein Anfang gemacht.

Dann gibt es noch etwas Neues. Im letzten Herbst haben wir es geschafft, unsere große Natursteinpyramide zu bauen. Mit Hilfe des ANTL e.V. (Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Tecklenburger Land e.V.) erhielten wir eine Sachspende an Steinen vom hiesigen Steinbruch. Diese Steine lagen fast ein Jahr bei uns auf dem Hof. Es war immer entweder zu nass (also der Boden zu aufgeweicht) oder zu heiß, um den Steinhaufen anzugehen. Aber dann haben wir endlich in schweißtreibendem Extremsport unsere Steinpyramide aufgeschichtet, die wir aufgrund ihrer zufälligen, charakteristischen Form liebevoll "Ortler" nennen.

Dieses Naturmodul fügt sich nicht nur optisch sehr schön in unseren Waldrand ein. Es bietet Eidechsen, Blindschleichen, Kleinsäugern und vielen Insekten Schutz, Nistplätze und Überwinterungsmöglichkeiten.

Nadelbäume

Unsere vor drei Jahren gepflanzte Kiefer verdient noch etwas mehr Aufmerksamkeit. Sie hat sich prächtig entwickelt und in diesem Jahr bildet sie die ersten Zapfen. Das ist für Kiefern sowas wie der Wechsel von der Kindheit zur Jugend. Und weil sie jetzt schon groß und robust genug ist, haben wir auch den Schutzzaun abgebaut. Und nun steht sie da in all ihrer jugendlichen Pracht und passt hervorragend zum Ortler.

Was auf dem Bild hier rechts noch eine besondere Bedeutung hat, ist der junge Fichtenwald im Hintergrund. Diese Bäume sind voll begrünt und haben neue Spitzen getrieben. Unsere beiden Fichtenwäldchen sind jetzt die einzigen in der ganzen Gegend. Weit und breit sind die Fichten dem Borkenkäfer und den Dürren  zum Opfer gefallen. Unsere Nadelbäumchen waren für den Borkenkäfer noch zu jung, damit konnte er nichts anfangen, weil ihre Rinde noch ganz glatt war. Und wenn sie alt genug sind, dürfte der Borkenkäfer hier in der Gegend schon wieder aus Nahrungsmangel verschwunden sein - hoffen wir.

Auch unserer Lärche geht es sehr gut. Sie war im ersten und zweiten Jahr ein Sorgenkind, weil sie in den Sommermonaten zweimal fast verdurstet ist. Seit dem habe ich sie bei jeder Dürreperiode im Auge und gieße frühzeitig. Inzwischen sind ihre Wurzeln aber anscheinend tief genug gewachsen und sie ist nicht mehr auf künstliche Wassergaben angewiesen. Auch sie werden wir bald aus ihrem Schutzzaun befreien.

Freude

In unserem Waldrand ist es definitiv ein Grund zur Freude, wenn die Maulwürfe sich fleißig durch das Erdreich graben. Denn diese Tiere haben es im Klimawandel schwer. In den nassen Wintern müssen sie "Sumpfburgen" über der Erde bauen, um einigermaßen trocken zu bleiben und während der Dürremonate sind sehr viele verdurstet. Aber nicht bei uns, denn wir stellen für die Kleinsäuger flache Tränken auf.

Dankbar für das Auflockern des Bodens und das hervorgraben uralter Wildkräutersamen ist uns der Maulwurf willkommen und wir gehen vorsichtig um jeden frischen Hügel herum, um ihn nicht zu stören.

Noch mehr gefreut haben wir uns, als wir im April entdeckten, dass unser Bärlauch doch angewachsen ist. Zwei Jahre haben wir immer wieder Knollen gesetzt, ja sogar ganze Töpfe Bärlauch gekauft und eingepflanzt und immer war er wie vom Erdboden verschwunden. Dieses Jahr haben sich drei prächtige Büschel entwickelt und sehr schön geblüht.

Natürlich wird da noch nichts von geerntet. Der Bärlauch soll sich jetzt erstmal ungestört ausbreiten, bis er einen Teppich gebildet hat.

Blüten ohne Ende

Stellvertretend für hunderte weiterer Obst- und Kräuterblüten: