2020 - Es geht richtig los

Januar - Bienenhang und Sumpfburg

Der Januar war so mild, dass es uns nicht mehr drinnen hielt. Wir wollten endlich Dinge tun!

Wildbienen stehen bei uns ja ganz besonders im Fokus. Stefan träumte die ganze Zeit schon davon, für die Steilwandnister einen Erdabbruch herzustellen. Er suchte sich die steilste Stelle im Waldrand und die lag auch sehr günstig nach Süden ausgerichtet und wird im Hochsommer von einigen Bäumen beschattet sein. Ein freier Anflug ist auch möglich.

Es war eine ziemliche Schlammschlacht. Aber heraus kam ein ansehnlicher Hang.

Gegen Ende Januar wurde es aber wegen des Wetters zunehmend unmöglich weiter zu arbeiten. Der Regen hatte auf vielen Wegen den Boden in tiefen Schlamm verwandelt und wir stellten vorerst alle Arbeiten vor Ort ein.

Auch die Maulwürfe stellten sich auf die Regenmenge ein: Wir entdeckten zwei Sumpfburgen. Das sind überdimensional große Maulwurfshaufen, in denen die Tiere unter der Erde, aber über dem Wasserstand des Bodens sein können. Wahnsinn, was diese kleinen Schäufelchen so an Erde zusammenschaffen können!

 

Ein nasser Winter

Im Februar fielen mehr als 200% der üblichen Regenmenge. Auf der dicken Tonschicht, die in unserem Waldrand unter der oberen Erdschicht liegt, floss das Wasser permanent bergab. Der Boden konnte sich endlich, endlich bis in die Tiefe vollsaugen. Auf Satellitenbildern konnten wir sehen, dass wir uns auf einer kleinen Insel befanden, wo der Wassergehalt des Bodens wieder in etwa so war wie vor den zwei Dürrejahren. Das war schon eine große Erleichterung. Deshalb ertrugen wir es auch stoisch, dass ohne Gummistiefel gar nichts mehr ging und unsere Hündin Milla am liebsten überhaupt nicht mehr raus gehen wollte.

Sturm, Sturm und Sturm!

Dazu Massen an Regen und Hagel. Es ist kaum auszuhalten. Wir helfen uns damit, Bäume zu bestellen. Auch wenn der Waldgartenbereich kaum 1% unseres Waldrands einnehmen wird, ist das jetzt erstmal ein kostspieliges Unterfangen. Aber wofür, wenn nicht dafür?

Natürlich wollen wir in unseren Waldrand nur Bio-Pflanzen einbringen. Das schlägt sich aber auch im Preis nieder. Aber die Gärtnereien, die Bio-Erzeugnisse herstellen sollen dabei auch unterstützt werden.

Auf die Bestell-Liste kamen
3 Apfelbäume
2 Zwetschgen
2 Kirschen
2 Haselnüsse
1 Holunder
1 Kiwi (selbstbefruchtend)
1 Ölweide
1 stachellose Brombeere

Und schon brauchen wir die nächsten Bücher: Obstbaumschnitt! Es ist ja nicht so, dass wir nicht wissen, was wir drinnen machen sollen, während draußen die Stürme toben.

Schon bald kam unsere Baum-Lieferung. Aber im Waldrand war es noch viel zu nass zum Pflanzen, deshalb schlugen wir die Bäumchen erstmal windgeschützt ein.

Februar - Die Blänken

Im Februar suchten wir die Stellen im Waldrand, wo das abfließende Regenwasser regelrechte Quellen bildete und sich das Wasser wie in einem Teich sammelte. In Norddeutschland nennt man solche Stellen "Blänken". Diese wechselfeuchten Vertiefungen sind sehr wertvoll für die Natur, insbesondere für Amphibien. Wir vertieften die  natürlichen Senken und wie erhofft blieb das Wasser in der Tonschicht von allein stehen. Wasserstellen gehören unbedingt als Naturmodule in den Waldrand. Wir wollten aber auf keinen Fall Plastik in den Boden einbringen oder künstliche Teiche anlegen.

Wie zwei runde Spiegel fügen sich die Blänken in die Landschaft ein und tragen zur Idylle bei. Schon früh pflanzten wir Sumpfpflanzen an die Ufer, die auch sommerliches Austrocknen überstehen: Sumpfdotterblume, Sumpfhaarstrang, kleine Schwertlilien und Wollgras.

Februar/März - Mulch-Inseln

Im Winter kann man viele Bücher lesen. Und wir bildeten uns in Permakultur. Das war eigentlich für unseren Garten gedacht, aber wir fanden hervorragende Anregungen für den Waldrand.

Die Tatsache, dass jedes freie Stück Boden im Waldrand von Weidegras überwuchert ist, macht es sehr schwer, blühende Pflanzen für die Insekten zu etablieren. Es kommt für uns aber nicht in Frage, etwas umzugraben. Erstens, weil das ein zu brutaler Eingriff ins Bodenleben wäreund zweitens, weil wir bei der Anlage der Schonung gesehen haben, dass auch brachiales Umgraben das Weidegras nicht verdrängt. Nicht zuletzt wäre das auch vom Arbeitsaufwand her überhaupt nicht zu schaffen. Denn wir wollen keine Traktoren oder andere große Maschinen in unserem Waldrand fahren lassen. Der Boden ist schon verdichtet genug.

Beim Lesen in den Permakulturbüchern kamen wieder „Zufälle“ zusammen. Denn tatsächlich kann man überwachsenen Boden mittels alten Teppichen wieder bepflanzbar machen. Das müssen natürlich Teppiche sein, die zu 100% aus verrottbaren Naturmaterialien bestehen.

Der „Zufall“ war, dass wir schon seit Jahren mehrere uralte Teppiche eingelagert hatten. Die Teppiche waren ganz sicher einmal wertvoll. Jedenfalls bevor sie von der Sonne ausgebleicht wurden und zum Teil bis aufs Gewebe durchgetreten waren.

Es war vollkommen kurios, zwei echte Perser und einen Seidenteppich im Waldrand in den Regen zu legen und dann Schubkarre für Schubkarre mit Mist vollzuschütten. Aber auf diese Weise kann das Weidegras nicht mehr wachsen. Es kann die Teppiche nicht durchdringen und stirbt darunter ab. Mit der Zeit verrotten die Teppiche unter der dicken Mulchschicht und können von oben wieder von Pflanzen durchwurzelt werden.

Wir können also auf unseren „Teppichbeeten“ in ca. 6-12 Monaten Blühpflanzen aussäen.

Also Leute: sichert Euch Omas alte Berber und Perser, um darauf Blumen zu pflanzen!

 

März - zwischen Nässe und Frühling

Der viele Regen macht uns bei den Obstbäumen zu schaffen. Sobald wir ein Loch graben, läuft es voll Wasser! Den ersten Apfelbaum (Peasgoods-Sondergleichen) haben wir deshalb erhöht gesetzt. Aus Buchenstämmen haben wir einen Rand gebaut und den mit Erde gefüllt. So steht der Apfel nicht im Wasser.

Dann war es eine Weile ziemlich kalt und die ausbrechende Corona-Pandemie hat uns eine Weile im Tatendrang gelähmt. Ende März war das Wasser aus dem Boden dann soweit abgelaufen, dass wir die weiteren Obstbäume ohne Erhöhung, direkt in den Boden setzen konnten. Es war auch höchste Zeit, die Knospen an den Bäumchen waren schon sehr prall.

Ein paar Frostnächte haben der Kiwi die ersten Blättchen weggefroren. Wir wissen nicht, ob sie überlebt. Haben ihr Pulsatilla gegeben. Der Ölweide war anscheinend der Boden zu nass. Sie hat gelbliche Blätter bekommen.

Dafür ist ein Blaumeisenpaar in den neuen Nistkasten an einer jungen Erle eingezogen. Und die frisch gepflanzten Sumpfdotterblumen in den Blänken blühen prächtig.

 

April - vom Schlamm in die Dürre

Wieder einmal ist plötzlich Sommer! Zumindest tagsüber. Der Regen hat schlagartig aufgehört und wir mussten anfangen, sowohl die Blänken als auch die Obstbäume zu gießen, die wir jetzt endlich alle einpflanzen konnten. Jeden Morgen, wenn wir mit dem Hund eine Runde gehen, nehmen wir eine 15-Liter-Gießkanne mit und die Bäume bekommen reihum Wasser. Wir wollen erst gar nicht warten, bis der Boden so trocken ist, dass er das Wasser nicht mehr richtig aufnehmen kann.

Mittags bringen wir dann nochmal zu jeder Blänke 15 Liter. Der Wasserspiegel unserer beiden Mini-Seen ist beträchtlich gefallen. Der Uferbereich ist mit weiteren Sumpfpflanzen eingesät. Bis die Blänken von ihrem eigenen Bewuchs beschattet werden, müssen wir mit Wasser aus der Gießkanne helfen.

Das Wunderschöne ist ja, dass die Natur jeden kleinen Finger greift, den man ihr hinstreckt: In der unteren Blänke lebt jetzt ein kleiner Teichfrosch! Am Aushub der oberen Blänke lebt jetzt mindestens eine Eidechse.

Die erforene Kiwi treibt von unten wieder aus, was uns auch sehr freut.

Im April ist auch ein neues Naturmodul entstanden: Unser "Elefantenberg". Das ist ein Totholzhaufen, der aus Baumstamm-Abschnitten aufgeschichtet wurde. Er steht ganz oben im Waldrand in der prallen Sonne, und ist von hinten mit Erde bedeckt, in die ich Vogelmiere gesät habe.

Ein weiterer Totholzhaufen

Wir haben sehr viele Buchenstämme als Brennholz bekommen. Die Buchen waren krank und mussten leider, leider fallen. Einen Teil dieses wertvollen Totholzes wollen wir der Natur zurückgeben und daraus einen zweiten Totholzhaufen bauen.

Stefan sägt "Pömpel", die so groß sind, dass man sie noch mit Manpower bewegen kann.

Am ausgewählten Platz wird die Grasnarbe abgestochen, damit Tiere unter dem Holz Zugang zum Erdboden haben. Auch eine kleine Drainagerinne wird angelegt.

Das gesägte Holz liegt unten hinter dem Haus. Der Platz für den neuen Totholzhaufen ist ganz oben in Waldrand. Das geht nur mit größeren Transportmitteln und ein paar hundert Meter über die Straße.

Oben angekommen, muss alles wieder abgeladen und mit der Schubkarre ein paar Meter in den Waldrand gebracht werden. Das ist Männer-Sport! Wie gut, dass Thomas uns hilft!

Thomas puzzelt die Stücke so übereinander, dass unser "Elefantenberg" hält. Dann werden die Teile noch hier und da verkeilt.

Fertig! Das Ganze sieht noch ganz neu aus. Bald wird das Holz anfangen zu rotten und es werden sich Pflanzen und Tiere einfinden.

Hinten, also auf der Nordseite, haben wir einen Teil mit Grassoden bedeckt, auf denen Vogelwicke eingesät ist.

Blütenbestand Ende April

Für die Insekten, besonders die Wildbienen, ist es wichtig, dass es von März bis Oktober Blüten gibt, von denen sie sich und ihre Brut ernähren können. Im Februar und März haben Haselnuss, Weiden, Schwarzdorn, Holzbirne und das Scharbockskraut geblüht. Das war schonmal reichlich für die ersten Königinnen, die aus der Winterruhe erwacht sind.

Es setzen sich jetzt endlich zwischen dem alten Weidegras Blütenteppiche durch!

Am auffälligsten blühen die ersten unserer neu gepflanzten Obstbäumchen. Der Apfel "Peasgoods Sondergleichen", die Hauszwetschge und die Kirsche "Kordia" haben sehr schöne Blüten entfaltet.

Der kriechende Günsel bildet an mehreren Stellen ganze Teppiche, was wunderschön aussieht.

Den leuchtenden Löwenzahn sollten wir nicht unterschätzen, nur weil er immernoch sehr verbreitet ist. Er bietet viel Insektennahrung und auch Säugetiere fressen gern davon.

Feenhaft wachsen unter den Bäumen ganze Kissen von Sternmiere.

Das zarte Wiesenschaumkraut hat seinen Namen daher, dass die Schaumzikaden gerne an ihnen leben.

Die Sumpfdotterblumen an den Blänken, die wir erst vor wenigen Wochen gesetzt haben, blühen prächtig in leuchtendem Gelb.

Es ist also jetzt, Ende April, durchaus für einiges Insektenfutter gesorgt. In den nächsten Jahren soll das aber noch viel mehr und vor allem vielfältiger werden.

Mai

Im Mai explodiert die Natur und im Garten ist Pflanzzeit. Zusätzlich war es weiterhin extrem trocken und wir mussten viel Zeit mit Gießen verbringen. Deshalb haben wir für unser Waldrand-Tagebuch "nur" einige Handy-Schnappschüsse gesammelt, die in etwa darstellen, was sich so tut.

Der Mai hat uns noch viele kalte Nächte gebracht, erst gegen Ende des Monats kam die Sommerwärme.

In der Lichtinsel haben sich riesige Teppiche von Ehrenpreis im Gras ausgebreitet. Wir haben mehr Blüten als im letzten Jahr und das ist ja eins unserer wichtigsten Ziele. Das Sensen und Abtragen des Schnittguts bringt doch relativ schnell die ersten Ergebnisse.

 

Besonders oben, am lichten Südrand gab es Felder von blühendem Wiesenkerbel. Viele Insekten tummelten sich auf den Blüten. Besonders die Streifenwanze, die auf Doldenblütler angewiesen ist, war reichlich vertreten. Die Wanzen ernähren sich aber nicht etwa von Pollen oder Nektar, sondern saugen an den reifenden Samen.

Der Teichfrosch lebt immernoch in der unteren Blänke. Unsere Freude war riesig, als wir Mitte Mai einen zweiten Frosch entdeckten. Die beiden haben auch häufig auf Körperkontakt in der Sonne gesessen. Leider ist der zweite Frosch wieder verschwunden. Vermutlich ist er gefressen worden.
Da unser Frosch noch wächst, vermuten wir, dass er erst in einem bis zwei Jahren geschlechtsreif wird. Wir haben erfahren, dass badende Vögel häufig Froscheier von Wasserloch zu Wasserloch transportieren. Vielleicht ist unser Teichfrosch auf diese Weise in der Blänke gelandet.

Dieses Jahr blühen die Bäume wie verrückt. Es scheint ein "Mastjahr" zu werden. Nach zwei Dürresommern hat es ja hier im Winter so viel Wasser gegeben, dass die Bäume günstige Bedingungen haben. Je größer die Bäume, desto mehr kommt es für sie auf den Winterregen an und nicht auf die Feuchtigkeit im Sommer. Unsere kleine Kiefer hat sich aber auch schon entschlossen kräftig zu blühen. Sie wurde ja auch letzten Sommer gegossen. Auch in diesem Jahr bekommt sie in Dürrephasen noch ca. einmal in der Woche 15 Liter Wasser von uns per Hand gegossen.

Auch die in diesem Jahr gepflanzte Ölweide blüht. Es ging ihr im März nicht so gut, vermutlich weil sie zu viel Nässe einfach nicht mag. Aber jetzt sind ihre Blätter wieder grün und sie hat hübsche Blüten produziert. Inzwischen ist das Gras so hoch gewachsen, dass wir die Ölweide nur noch finden, weil wir sie  mit einem langen Stab markiert haben, damit wir sie im Sommer nich versehentlich absensen.

Auch die Eberesche hat ihre allererste Blütendolde gebildet.

Die Obstbäume, deren Blüte ja längst vorbei ist, hatten dieses Jahr schwer mit den Frostspanner-Raupen zu kämpfen. Besonders die Kirschen waren so arg befallen, dass wir zum Teil per Hand Raupen entfernt haben, damit die Bäumchen überleben. Für die Vögel war es aber natürlich sehr gut, dass es so extrem viele Raupen gab. Bei uns im Garten wurde alles Vogelfutter liegengelassen, so reichlich war das Angebot an tierischem Eiweiß für den Vogelnachwuchs.

Die Kirschbäumchen haben sogar ein paar Fruchtansätze gebildet. Inzwischen sind auch viele Blätter nachgewachsen, die erst nach der Frostspanner-Periode erschienen und damit ganz geblieben sind.

Unsere kleine Kiwi, die wir im Februar schon unter eine Erle gepflanzt haben, ist im April so stark erfroren, dass wir fürchteten, sie wäre hinüber. Aber dann hat sie von unten wieder ausgetrieben und sich sehr schön entwickelt. Wir mussten sie inzwischen sogar an ihrem Rankstab festbinden. Im nächsten Jahr wird sie dann hoffentlich in die Erlenzweige ranken.

Als Ende Mai dann endlich Regen kam, mussten wir bald schon unsere Wege mähen, sonst wäre kein Durchkommen mehr in dem hohen Gras. Wir brauchen die Wege zum Gießen der jungen Bäume während der Dürrewochen, von denen wir in diesem Jahr schon einige hatten. Gießen bedeutet, jeden Tag mit zwei 15-Liter-Kannen den Hang hochzulaufen. Eine Kanne teilen sich jeweils zwei Bäumchen, die reihum gegossen werden. Die andere Kanne bekommt die untere Blänke, damit der Frosch auf jeden Fall einige Handbreit Wasser hat.

Und natürlich benötigen wir die gemähten Wege für unsere Führungen durch den Waldrand.

Mit dem Mai und dem verschwenderisch blühenden Weißdorn ist dann auch schon die Zeit der vielen Blüten vorbei. Für die Insekten beginnt jetzt das große Hungern und die mühsame Suche nach einzelnen Blüten. Das hat nichts mit Natur zu tun, sondern liegt an unserer nahezu blütenfreien Kulturlandschaft. Wir tun weiterhin alles, was wir können, um in unserem Waldrand über den ganzen Sommer und Herbst noch blühende Pflanzen zu haben. Es kommt aber jetzt auch ganz besonders auf die vielen privaten Gärten an um das Überleben der Insekten zu sichern.

Wir sind jedenfalls froh über den bis jetzt recht nassen Juni-Anfang!

Juni - Jakobskreuzkraut

Wir haben ein komplettes Wochenende damit verbracht, Jakobskreuzkraut aus unserem Waldrand zu entfernen. Für unser Projekt ist es dabei gar nicht so relevant, dass dieses Kraut in allen Teilen giftig ist. Aber es breitet sich zudem auch noch extrem erfolgreich auf allen Arten von Wiesen und Brachen aus. Würden wir nichts unternehmen, wäre unsere Blühfläche innerhalb weniger Jahre im Juni nur noch Gelb und alle anderen Pflanzen würden von dem Jakobskreuzkraut unterdrückt.

Es ist natürlich ein Konflikt, in der blütenarmen Hochsommerzeit so viele Pollen- und Nektarspender zu vernichten, aber langfristig tun wir der Natur und der Artenvielfalt keinen Gefallen, wenn wir das Kraut wuchern lassen.

Folgendes Vorgehen gegen das JKK ist empfehlenswert:

  • Im Juni die Blüte so lange wie möglich für die Insekten stehen lassen. Aber Achtung: Es kann quasi von einem Tag auf den anderen so weit sein, dass sich die gelben Blüten in weiße, fliegende Pollen verwandeln und dann breitet sich das Kraut massenweise aus. Also unbedingt auf den passenden Zeitpunkt achten.
  • Die Blütenkrone mit einem geeigneten Werkzeug abschneiden und in einen lichtundurchlässigen Plastiksack geben. Dabei Handschuhe tragen! Der Hautkontakt mit der Pflanze ist ungesund. Wenn der Sack voll ist, dicht zubinden und für mehrere Tage, besser länger in die pralle Sonne legen. So können die Blüten keine Pollen mehr aubilden. Auf keinen Fall die abgetrennten Blüten auf den Kompost oder in die Natur legen! Auch in diesem Zustand bildet das Kraut noch Pollen!
  • Die unteren Pflanzenteile mit der Wurzel ausreißen. Größere Horste dabei vorher mit der Grabgabel lockern. Diese Pflanzenteile ohne Blüten können in wilde, sonnige Ecken geräumt oder auf Totholzhaufen gegeben werden, wo sie sicher schnell verdorren und nicht etwa wieder anwurzeln. Sie müssen aber noch ca. 2-3 Wochen lang ab und zu kontrolliert werden, weil sie liegend immer noch  hier und da eine Blüte schieben können.
  • Wenn bei diesen Arbeiten Raupen des Blutbärs (Karminbär - Raupe des Jakobskrautfalters) gefunden werden, bitte folgendermaßen vorgehen:. Die Raupen sehr vorsichtig absammeln und sofort auf einen größeren Horst von Jakobskreuzkraut bringen, der abgetrennte Blüten hat und kontrolliert stehen bleiben kann. Diese Raupen können sich ausschließlich von Jakobskreuzkraut ernähren! Diese eine Pflanze auch über den Winter stehen lassen, denn die verpuppten Raupen überwintern an der Pflanze. Im folgenden Mai/Juni schlüpfen die Falter. Sie sind rotschwarz und sehr hübsch.
  • Den Müllsack mit den nicht mehr vermehrungsfähigen Blüten am besten in den Restmüll entleeren und den Sack wiederverwenden.

Hochsommerblüten

Juni und Juli sollten normalerweise blütenreich sein. In unseren ausgeräumten Landschaften ist dem aber nicht mehr so. Für die Insekten hat das große Hungern angefangen.

Deshalb beobachten wir mit besonderem Interesse die heimischen Blumen sich in unserem Waldrand eingefunden haben. Regen hat es ja glücklicherweise genug gegeben. Wo vor einem Jahr bei fast 40 Grad Hitze alles braun und vertrocknet war, sehen wir jetzt Grün mit vielen bunten Tupfen.

Es blühen derzeit:

Jede Menge Kratzdisteln, die regen Zulauf - oder Zuflug - von Bienen, Hummeln und den traurigerweise wenigen Schmetterlingen haben.

Die Wiesenflockenblume hat ein ausgesprochen gutes Jahr und schiebt über Wochen schon ständig neue Blüten nach. In der gesamten sonnigen Freifläche finden wir überall Flockenblumen.

Überraschend sind für uns zwei große Felder mit Sumpfschafgarbe. Erst dachten wir, das läge an dem reichlichen Regen im Mai und Juni. Aber entgegen ihrem Namen benötigt die Sumpfschafgarbe gar nicht so viel Wasser. Im Gegenteil: Sie ist durchaus Trockenheitsresistent. Auch die gewöhnliche Schafgarbe finden wir reichlich.

Oben an der Hecke blühte im Juni eine ganze Wolke von kleinblütigem Labkraut.

Die meisten Insekten finden wir auf den hohen Dolden der Engelwurz und dem Wasserdost, der am liebsten im Halbschatten steht.

Die letzten gelben Tupfen bringen Johanniskraut, Hornklee und vereinzelt Hahnenfuß.

Auf den gemähten Wegen blüht viel weißer und violetter Klee, den die Hummeln sehr mögen.

Storchschnabel und Weidenröschen sind zu Ende Juli schon fast verblüht.

Die Überraschung des Sommers ist aber eine Vielzahl von Vogelwicken. Dieses zart rankende Pflänzchen bildet Samen, von denen sich die Turteltaube - Vogel des Jahres 2020 - ernährt.

Alles in Allem sind wir wirklich erfreut, wie viele Blühpflanzen durch unser Sensen der Weidegräser eine Chance bekommen haben.